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Weltreise zurück ins Leben

Die Geschichte eines Aussteigers
von Christoph Pokrandt
1. Auflage: Januar 2008
© „Telescope“ Verlag und Druck, Bürgerstr. 20, 01127 Dresden • www.telescope-verlag.de
Lektorat: „Verlags- & Autorenservice“ Peggy Salomo, Bürgerstr. 20, 01127 Dresden •
www.lektorat-salomo.de
Covergestaltung: Marketing + Design Elfie Kulig, Chemnitz
ISBN: 978-3-9811296-5-6
204 Seiten

2. Auflage: Oktober 2008
Preis €16.90
ISBN: 978-3-941139-74-9
Verlag: s.o.

Leseprobe:

Einen Monat wohne ich nun schon in diesem kleinen möblierten Appartement in Valdivia, einer südchilenischen Stadt in der zehnten Region des Landes. Von meiner schweren Krankheit, die mich um ein Haar das Leben gekostet hätte, habe ich mich körperlich wieder ganz gut erholt. Seit meiner Ausreise aus Deutschland ist ein gutes halbes Jahr vergangen. Wie schnell doch die Zeit vergeht! Es ist so vieles passiert und seit Langem verspüre ich einen immer stärker werdenden Wunsch, meine bisherigen Erlebnisse auf dieser langen Reise niederzuschreiben.

Aufgeregt und nervös wie ein kleiner Junge war ich, als ich aus Deutschland ausreiste. Fast vier Stunden vor Abflug saß ich schon mit schweißnassen Händen auf meinem geliebten Platz im Abflugbereich des Flughafens. Diese vier Stunden waren auch das Mindeste, was ich diesem Ort schuldig gewesen bin. Dies ist auch bis heute nicht irgendein unpersönliches Flughafenterminal für mich, hier war quasi über viele Jahre mein zweites Zuhause, auch wenn sich kaum jemand für den anderen interessierte. Einige Reisende sind vielleicht nur ein einziges Mal in ihrem Leben an diesem Flughafen gewesen und von einem zum anderen Abflugsteig gehetzt, ohne die besondere Atmosphäre zu spüren. Wenn man jedoch, mit Blick auf die zahlreichen Flugziele, in der Abflughalle sitzt und dazu noch ein wenig Zeit mitbringt, spürt man den besonderen Flair der großen weiten Welt an solch einem Ort, den alle Flughäfen gemeinsam haben und der einen unbewusst gefangen nimmt.

Es ist kaum zu glauben: Die ratternde schwarze Anzeigetafel mit den Flugzielen im Abflugbereich gibt es heute noch. Viele Jahre habe ich früher an diesem Flughafen als Praktikant, Schüler und Student in den Ferien gearbeitet. Wie schön war es, im Abflugbereich zu sitzen, in Gedanken irgendeinen Flug auszuwählen, in sich zu versinken, die Zeit zu vergessen und zu träumen, einfach dort hinzufliegen. Die Erinnerung ist noch da, manchmal mit Sehnsüchten an Nairobi/Johannisburg „LH 22.30 Uhr“ auf der Anzeigetafel hängen geblieben zu sein.

Flughäfen, Bahnhöfe oder Häfen mit großen Schiffen hatten schon immer irgendwie eine intensive Anziehungskraft. Ankommende und abfliegende bzw. abfahrende Flugzeuge oder Schiffe zu beobachten, berührt wohl einen tiefen Urinstinkt eines jeden Menschen. Zumindest für eine kurze Zeit war das Gefühl da, in eine andere Welt entfliehen zu können. Natürlich kam das Erwachen wieder und schließlich angekommen auf dem Boden der Tatsachen, fuhr ich oft ein wenig enttäuscht wieder nach Hause.

Aber mit den Jahren ist dieser Ort schließlich immer mehr ein zweites Zuhause für mich geworden und trotz des rasanten Wandels in dieser schnelllebigen Welt sind einige Bereiche und natürlich die weichen Sessel sowie die schon fast historische Anzeigetafel dieselben geblieben. Manchmal, wenn ich nicht schlafen konnte, fuhr ich ganz früh morgens zum Flughafen und sah, wie langsam ein Abflugschalter nach dem anderen geöffnet wurde, man die Rollgitter von den Geschäften hochzog und nach und nach Leben ins Terminal einkehrte. Ob Zeitungsstand, Erfrischungsshop oder Reisebüro, jedes Geschäft kannte ich, ohne wirklich mit den Verkäufern in Kontakt gekommen zu sein. Allein diese tägliche Routine zu beobachten, vermittelte eine gewisse Vertrautheit. So war es immer wieder ein wärmendes Gefühl, hier zu sein und träumen zu dürfen. Ja, träumen, einfach wegzufliegen in eine fremde, mir unbekannte Stadt. Und diese unbekannte Stadt wurde natürlich von mir idealisiert und in sie alle meine Hoffnungen und Wünsche gesteckt. Aufgrund all dieser Ereignisse war dieser Ort für mich schließlich gar nicht mehr unpersönlich.

Vor einem halben Jahr saß ich dann wieder im Terminal vor der schwarzen Anzeigetafel und diesmal, nach so vielen Jahren, musste ich mit Sicherheit nicht wieder nach Hause fahren. Meine Träume und Fantasien hatten endlich eine reale Chance, in die Tat umgesetzt zu werden.

Es war ein ganz besonderer Tag mit einem besonderen Flug, denn es war nur ein Hinflug – und so wollte ich ein letztes Mal jeden Augenblick bis zur endgültigen Ausreise aus Deutschland auf meinem alten Lieblingsplatz einfach nur genießen. Ja, es war tatsächlich so weit, fast alles lag nun endlich hinter mir

Ordentlich, wie ich bin, hatte ich meinen Abschied korrekt geregelt. Nach über zwölf Jahren als Maschinenbau-Ingenieur einen gut bezahlten Job als Projektleiter mit Anfang vierzig einfach aufzugeben, war keine leichte Entscheidung. Meine Wohnung zu verkaufen, hat mir dagegen richtig gut getan.

Es hingen einfach zu viele Erinnerungen an diesem alten Zuhause und außerdem hatte ich dadurch Startkapital für die erste Zeit an einem fremden Ort.

Der Ausstieg aus meinem bisherigen Leben vor sechs Monaten war mir nach zähem Ringen mit mir selbst wirklich sehr ernst. Ich stand an einem Scheideweg...


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"Weltreise zurück ins Leben" ist ab Februar 2008 im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.